Saluki mon amour

Die einzig wahren Königskinder sind die Salukis.

Erhaben, königlich distanziert, wunderschön anzusehen, gertenschlank und doch kraftvoll und elastisch. Mit seidigem Fell und edlem Behang, wohlriechend, aristokratisch, schwebend in der Bewegung, neugierig und verspielt, voller Vertrauen und Lebensfreude, mit großem Bewegungs- und Spieldrang, intelligent und freundlich, aber nicht von dienendem Gehorsam. Sie liegen in einem Augenblick noch faul in der Sonne, alle Pfoten nach oben, um im nächsten Moment schon mit einem Satz auf alle vier Pfoten aufzuspringen und in sekundenschnelle am Ort des Geschehens zu sein, um ja nichts zu verpassen. Eben noch hier und schon wieder weg, wie ein Waldgeist, so bewegen sich die Salukis, behende und schnell wie der Wind, – Windhunde eben. Nicht geschaffen, um im ordinären Auto zu fahren, allenfalls um, ihrem Adel angemessen, auf dem fliegenden Teppich zu reisen.

Aus dem Spiel- und Kuschelhund wird von einer Sekunde zur anderen ein konzentrierter und strategischer, lautloser Jäger, sobald er etwas ausmacht, was sich bewegt und gejagt werden könnte. Entdecken mehrere Salukis gleichzeitig eine potentielle Beute, gibt es kein Entrinnen. Der eine hetzt direkt hinterher, der andere passt dem Opfer den Weg ab. Jagderfolg ist meist garantiert. Deshalb sind diese hochspezialisierten, selbständigen Hochgeschwindigkeits-Sichtjäger auch nicht für die Jagd in Frankreich etc. zugelassen.

Um dem Jagdtrieb und dem Laufbedürfnis des Salukis gerecht zu werden, empfiehlt sich ein großer eingezäunter Freilauf oder der Besuch einer Hunderennbahn. Dort wird der Saluki zu dem, was er wirklich ist: Ein Ausbund an explodierender Lebensfreude und übermütigem Bewegungsdrang, voller Spieltrieb und hierbei von beachtlicher Körperbeherrschung:  Springen, Täuschen, Rennen, Hakenschlagen… der Saluki spielt, springt und rennt genauso geschickt wie seine originären Beutetiere, die Antilopen und Hasen. Dabei lacht ihm die Freude aus dem Gesicht. Allerdings, Salukis sind „Rassisten“ und spielen oft nur gerne mit ihresgleichen von Windhundadel.

Auch wenn es nicht immer den Anschein hat, so weiß der Saluki doch stets, was in seinem Haus geschieht, es gibt nichts, was ihm entgeht. Ein Saluki bettelt auch nicht um Futter, aber er blickt einen aus der Distanz so prinzenhaft an, dass er gewiss sein kann, nicht vergessen zu werden. Einen Besuch beim Tierarzt absolviert der Saluki mit Würde, Angst zeigt er nicht und schmerzt ihn eine Spritze, so atmet er allenfalls tief ein, doch ein Laut käme diesem Prinzen niemals über die Lippen.

Es gibt andere Momente der Anspannung und Aufregung, in welchen es den Saluki wie ein Blatt im Wind am ganzen Leib aus Vorfreude zum Zittern bringt und regelrecht schüttelt, so z.B. in den Augenblicken vor dem Start auf der Rennbahn. Ihn hier beruhigen zu wollen, ist schlicht vergebens.

Er ist kälte- und nässempfindlich, dieser adlige Saluki-Prinz. Er isst ungerne “Astronautenfutter”, also trockene Hundecracker. Angemessen ist es vielmehr, ihm regelmäßig frisches Essen zu bereiten. Reis, Fleisch, Nudeln, Gemüse, Quark, Fisch und Couscous sind sehr beliebt. Bei Kauknochen wird bevorzugt, was am übelsten riecht: Ochsenziemer und ähnliches.

Nach einem ausgiebigen Spaziergang schätzt der Saluki eine warme Mahlzeit, einen Platz vor dem heimligen Kaminfeuer oder auf der Couch, mindestens jedoch in seinem Körbchen, rundum dick auf Schaffell und eine Viskoseschaum-Matratze gebettet. Sollte im Fernsehen noch eine Tiersendung ausgestrahlt werden, so rundet dies, gekoppelt mit einer zärtlichen Fellmassage durch den Menschen, die Entspannungs- und Erholungsphase in den Augen des Salukis bestens ab.

Der Saluki ist ein großer Sammler, Spielsachen und Tiere, die er irgendwo im Haus in den Kinderzimmern findet, trägt er in seinem Körbchen zusammen und perfektioniert so sein Glück. Der Saluki hält sich an das „HGB“, das Hundegesetzbuch: Alles, was Du liegen lässt, gehört mir. Alles was ich finde oder Dir wegnehmen kann, gehört mir. Alles, was Du nicht gegessen hast, hast Du für mich übrig gelassen. Er schätzt Lichtinseln voller Sonne für ein kleines Schläfchen und ein freies Bett könnte eigentlich auch für ihn frei geblieben sein.

Deshalb reagiert ein Saluki auch mit unermesslichem Unverständnis und Verblüffung, wenn er sich bei seinem HGB-rechtmäßigen Hundeverhalten menschlichen Verhaltensvorwürfen ausgesetzt sieht.

Als der Saluki in mein Leben trat, brachte er Liebe und Freude mit. Jeder Moment, in welchem mein Blick auf ihn fällt oder meine Hand ihn berührt, macht mich Lächeln.

Saluki, mon Amour, Antlitz des Königs, mein Stern, mein rotes Schicksal, Du bist der wahre und einzige Prinz, die einzig wahre Prinzessin. ich liege Dir zu Pfoten und lausche Deinem Atem. Niemand singt so schön wie Du, niemand läuft so schnell wie Du und niemand blickt einen so bezaubernd, tiefgründig und wunderbar an wie Du. Niemand nimmt Streicheleinheiten so huldvoll entgegen.

Im vertrauensvollen und unvergleichlichen Blick Deiner schönen dunklen Augen will meine Seele genesen.

Ein Gedanke zu “Saluki mon amour

  1. Ich liebe diesen Text…..er fliesst aus meinem Herzen, wie meine Tränen, die für meinen Fenek fließen…..in vollster und tiefster Liebe….

    danke Dir :-)

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